Wenn Bücher wahr werden: Der Wolf kam – und musste sterben
“Mehr als der Wolf war gestorben, ich konnte es fühlen. Das hier war nicht mehr meine Heimat. Es war nur noch ein feindseliger, finsterer Wald und ich fürchtete die Menschen, die in ihm hausten.” (Scherbenmond, S. 528) Nie konnte ich Ellie besser verstehen als an diesem heutigen Morgen, nachdem ich erfahren musste, dass der Wolf, der erst kürzlich im Westerwald gesichtet worden war, erschossen aufgefunden wurde. Um meine Heldin Ellie noch einmal zu zitieren. “Ihr Idioten, ihr gottverdammten Idioten”, flüsterte ich. “Es war doch nur ein Wolf. Er hat euch nichts getan …”
Warum? Diese Frage begleitet mich schon den ganzen Tag. Vor wenigen Wochen erst habe ich auf meiner Facebook-Seite meine Freude über die Wolfssichtung – ausgerechnet in “Colins Revier”! – mit euch geteilt und hoffte inständig, dass ihn nicht das gleiche Schicksal ereilen würde wie den Wolf in meiner “Splitterherz”-Trilogie. Doch genau so geschah es. Er wurde rechtswidrig und hinterhältig abgeschossen und seine Leiche einfach liegen gelassen.
Ich finde kaum Worte für dieses Verhalten und obwohl mich die Frage nach dem Warum begleitet, gibt es für mich keine Begründung, die diese Handlung rechtfertigt. Auch der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz – der sich wie alle Jägerverbände dem Naturschutz verpflichtet fühlt – ist entsetzt über die Tat und hat 1000 Euro Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgesetzt, die dazu dienen, den Verantwortlichen zu finden. Ich möchte mir über seine Motive nicht länger den Kopf zerbrechen, sondern darauf hinweisen, dass Angst oder gar Panik vor frei lebenden Wölfen unbegründet sind. Wölfe sind von Natur aus scheu; man kann von Glück sprechen, wenn man sie überhaupt in freier Wildbahn zu Gesicht bekommt. Dennoch werden immer noch gerne Schauermärchen über die “blutrünstige Bestie”, die Kinder anfällt und wahllos Nutzvieh reißt, verbreitet und offenbar gilt es in manchen Kreisen als wahre Heldentat, einen Wolf zu erlegen (was es niemals sein kann … Ein Wesen mit der Flinte zu erlegen, ist keine Heldentat). Ich habe selbst ein kleines Kind, wohne nah am Wald und habe mich über den Wolf gefreut anstatt ihn zu fürchten. Denn durch meine zahlreichen Waldausritte weiß ich, dass das Schwarzwild – also die Wutzen – die weitaus größere Gefahr darstellt. Wer einmal vor einer wütenden Wildsau stand, versteht, wovon ich rede. Diese Tiere vermehren sich ungebremst, weil sie ihre natürlichen Feinde – Wolf, Luchs und Bär – verloren haben. Doch selbst bei den Wildschweinen kann man mit ein wenig Sachverstand und vorsichtigem Verhalten Gefahren umgehen oder zumindest minimieren. Mir ist das in den vergangenen Monaten glücklicherweise gelungen.
Wir sind alle nur Gäste auf dieser Welt und sollten uns wie Gäste verhalten – höflich und respektvoll. Und so sollten wir auch mit den anderen Lebewesen dieses Planeten umgehen. Dieser Wolf war Gast bei uns im Westerwald. Er hat mit seinem Leben dafür bezahlen müssen.
Ich weiß nicht, ob ich mir wünschen soll, dass wieder ein Wolf den Weg zu uns findet. Denn ich bin mir nicht sicher, ob der Westerwald ein guter Platz für ihn ist. Aber ich hoffe es.
Schade, dass ausgerechnet am Welttag des Buches ein Detail aus der “Splitterherz”-Trilogie auf solch traurige Art und Weise wahr werden musste.
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Geschrieben am Montag, 23. April 2012
Abgelegt unter Allgemein.
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5. Mai 2012 um 09:25
Das ist allerdings sehr traurig…
Ich frage mich bei solchen Taten auch immer nach dem ‘Warum?’… ich kann es einfach nicht verstehen…