Ein paar Gedanken zu der Sexualität und den erotischen Szenen in meinem neuen Roman „Vor uns die Nacht“ (script5): Eine der wichtigsten Botschaften meines Buches ist, unserem Denken nicht die absolute Übermacht zu überlassen, die es bei den meisten Menschen bereits hat, und auch/wieder zu lernen, auf Bauch und Herz zu hören.

Der Bauch wird in diesem Buch durch Körperlichkeit und Körpersprache symbolisiert: Dazu gehören die erotischen Szenen, aber auch alle anderen, in denen der Körper im Fokus steht, wie zum Beispiel Ronias exzessives Laufen oder ihre gesundheitlichen Symptome. Und auch das Kapitel, in dem sie in hormonelle Turbulenzen gerät und dadurch ein wenig aus der Bahn geworfen wird.
Unsere Herzsprache und die Weisheit unseres Herzens hingegen werden in der Geschichte u.a. durch das Mystische symbolisiert, das sich während der Begegnungen zwischen Jan und Ronia (also auch während der erotischen Szenen) zeigt, und auch durch die Lichtspiele, die immer auftauchen, wenn Jan die Szenerie betritt (es ist jedoch auch Ronias Licht, das sich da spiegelt, nicht alleine Jans).
Die Körpersprache (also auch die Sexualität) ist quasi nur ein Zubringer zu dieser Herzebene – aber ein Zubringer, der nicht unterschätzt werden darf. Sie hat eine wichtige Funktion. Unser Körper ist unser bester Freund, er weiß oft auch dann um uns, wenn unser Verstand scheitert.
Es macht also wenig Sinn, sich wertend oder moralisierend an den erotischen Szenen des Buchs festzubeißen. Sie stehen ebenso wenig im Mittelpunkt wie man sie von dem Rest der Geschichte isolieren kann. Die Geschichte wäre jedoch auch nicht die gleiche, wenn man sie streichen würde. Sexualität ist ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens, wir sind aus ihr heraus entstanden und sie gehört zu uns, und auch sie ist ein Ausdruck unseres Menschseins auf körperlich-seelischer Ebene. Sie kann sogar spirituelle Qualitäten haben. Aber selbst, wenn dabei nicht so viel Seelensprache im Spiel ist wie bei Ronia und Jan, wäre daran nichts Verwerfliches.
Ronia kann Jan über den Kopf nicht erfassen, ihr Verstand scheitert an ihm – doch über die (sehr zärtliche und respektvolle) körperliche Begegnung der beiden öffnen sich Fenster in ihr.
Ich finde: Wer auch immer so etwas innerhalb der Sexualität erleben darf, kann sich glücklich schätzen.
Aber natürlich gilt es irgendwann, sich der seelischen Ebene bewusster zu machen und sich ihr stärker zu öffnen – etwas, wovor Ronia lange zurückschreckt. So schön diese erotischen Erfahrungen mit Jan auch sind und so tief sie Ronia im Herzen bewegen – irgendwann ist der Tag gekommen, an dem man sich einander auch auf anderen Ebenen öffnen und miteinander sprechen muss.
Letztlich sollte alles im Einklang „schwingen“: Kopf, Herz, Bauch. Dann sind wir in der Balance.
Wer noch weiter in die verschiedenen Ebenen von „Vor uns die Nacht“ eintauchen oder Fragen dazu stellen will, kann dies übrigens auf meiner neuen Facebookseite tun, die ich dem Buch gewidmet habe. Hier poste ich immer wieder Hintergründiges zu dem Roman und ihr lernt Jan und Ronia noch besser kennen. Viel Freude damit!
(Foto: Fotolia)


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