Fühlen, freuen, weitersagen: Wie Leser Autoren helfen können

Was können Leser tun, um Autoren zu unterstützen?, wurde ich gestern gefragt – ein Punkt, über den ich schon länger nachdenke. Denn nur gemeinsam können wir die Buchbranchen-Krise überwinden.
Ich glaube, dass das Lesen mit dem Herzen (und mit ausreichend Zeit) und die darauf folgende Mund-zu-Mund-Propaganda nicht zu unterschätzen ist. Hollywood-Stars gründen ja inzwischen eigene Buch-Clubs, was schrullig anmuten mag, aber genau in diese Richtung geht – gemeinsam über Bücher sprechen. Gemeinsam Bücher lesen. Sich darüber austauschen.

Ja, und dann – ich weiß, auch damit mache ich mich vermutlich nicht beliebt – wäre es eine Maßnahme, lieber weniger Bücher zu kaufen und diese dann neu, anstatt sie massenweise gebraucht im Internet zu bestellen. Das unterstützt die Autoren, die Buchhändler, die Agenten und die Verlage gleichermaßen. Ich finde es grundsätzlich gut, dass es einen Bücher-Gebrauchtmarkt gibt. Fakt ist allerdings, dass die Autoren, Buchhändler und Verlage daran nichts verdienen. Es ist immer ein leicht bitterer Beigeschmack dabei, wenn ich in einem Post verlinkt werde, in dem begeistert über das neueste Arvelle-Schnäppchen berichtet wird. Ja, ich kann das verstehen – das ist sicher ein Kick, so viele Bücher auf einmal so viel günstiger zu bekommen. Viel bekommen, ohne viel dafür zu bezahlen (an dieser Stelle eine Bitte an E-Book-Newcomer-Autoren: Verscherbelt euch nicht unter Wert, nur damit ihr Leser bekommt! Niemals können 99 Cent die Arbeit an einem ganzen Roman aufwiegen. Das ist kein adäquater Gegenwert). Auch daran krankt die Branche. Ich selbst kaufe mir nur jene Bücher gebraucht, die vergriffen sind oder – aber das sind absolute Ausnahmen – von denen ich weiß, dass ich lediglich einen Abschnitt zu lesen brauche (ist dann meistens Fachliteratur). Ansonsten kaufe ich Bücher immer neu und lese sie in Ruhe und mit Hingabe – und wenn es in stressigen Zeiten Wochen dauert.

Auch die Auswahl der Titel spielt eine Rolle! Die Leser können wieder für mehr Qualität am Markt sorgen. Wie? Indem sie sich auf ungewöhnliche Geschichten ohne Happy End und Toller-Mann-macht-alles-wieder-heil-Klischees einlassen. Indem sie auch kantigen Heldinnen und Helden Chancen geben, die nicht zum Sofort-Verlieben geeignet sind, aber den Horizont erweitern können. Indem sie sich trauen, beim Lesen im tiefsten Herzen berührt zu werden und dabei manchmal auch Widerstände zu spüren, weil sie sich selbst begegnen. Indem sie Büchern Zeit geben, sich zu entfalten – was nichts anderes ist, als sich selbst Zeit zu geben, sich an ein Buch (einen neuen Menschen, eine neue Situation …) zu gewöhnen. Indem sie den Mut finden, hinter glitzernde Oberflächen zu schauen, ausgetretene Pfade („Ich lese nur Romantasy/Fantasy/US-Autoren“ etc …) zu verlassen und deutschen Autoren eine echte Chance zu geben.

Oh, es gibt viele Möglichkeiten, wie Leser dazu beitragen können, den Buchmarkt wieder vielfältiger, lebendiger, hochwertiger und stabiler werden zu lassen. Wir alle sind gefragt und es ist niemals nur ein Part für eine Krise verantwortlich. Auch wir Autoren stehen in der Verantwortung, das Boot zu wenden. Nur: Kleinmachen, Schweigen und Angsthaben hilft ganz sicher nicht.

(Foto: Pixabay)

2 Gedanken zu “Fühlen, freuen, weitersagen: Wie Leser Autoren helfen können”

  1. Halli hallo

    Jetzt bin ich gerade über einen anderen Beitrag von dir, den die liebe Buchstabengeflüster ( bei Facebook) gepostet hat hier gelandet und er beantwortet so ein bisschen auch meine dort gestellte Frage.

    Lesen ist meine grösste Leidenschaft so wie auch das austauschen darüber, weshalb ich sehr gerne auch regelmässig meine bevorzugten Blogs besuche oder mich an Leserunden beteilige 😉

    Auch dort ist DAS grosse Thema vor allem im Jugendbereich und da mehrheitlich im Genre Fantasy die vielen 08/15 Geschichten. Gerade bei den Neuerscheinungen ähneln sich die Klappentext, ja sogar die Cover und Titel und alles fühlt sich so Einheitsbrei mässig an…..

    Mir persönlich fällt das zwar ebenso auf, da ich aber querbeet ( eigentlich alles ausser Erotik und selten Krimis) lese und auch im Erwachsenenbereich stört es mich etwas weniger stark.

    Ich gebe dann gerne den Tip, halt einfach mal seine Komfortzone zu verlassen, ein neues Genre auszuprobieren, also ich bin da schon sehr positiv überrascht worden 😉

    Ebenso gibt es sie noch diese besonderen Perlen und ja auch im Jugendbuchbereich, man muss halt manchmal etwas Zeit investieren und stöbern gehen 😉 Auf Buchblogs oder Booktube- Kanälen welche nicht nur Mainstream lesen….

    Liebste Grüsse
    Bea

    • Komfortzone verlassen ist ein gutes Stichwort – das kann in sämtlichen Lebensbereichen Wunder bewirken. 🙂 Vielen lieben Dank für das Lesen des Artikels und Deinen Kommentar – er macht wirklich Hoffnung! Liebe Grüße, Bettina

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