„Lauf nicht weg, stell dich deinen Ängsten!“ (Sabrina Milazzo)

In meiner neuen Interviewreihe „SchreibSchwestern“ erzählen Herz & Seelen-Autorinnen von den Geburten ihrer Buchbabys und auch darüber, was sich dabei ihn ihnen getan und gezeigt hat. Ich freue mich, dass meine liebe SchreibSchwester Sabrina Milazzo, die meinem Roman „Gelebte Zeit“ ein wundervolles Cover kreiert hat und mich grafisch immer wieder bezaubert, den Anfang macht und unter anderem von der Entstehung ihres neuen Romans „Aus Asche & Nacht“ berichtet. Viel Freude beim Lesen!

Bettina Kyrala Belitz: Liebe Sabrina, schön, dass du dir die Zeit nimmst, dabei zu sein! Ich vergleiche das Bücherschreiben ja gerne mit Schwangerschaften. Man empfängt eine Idee, geht eine Zeitlang mit ihr schwanger und gebärt sie schließlich. Meine Hebamme verriet mir bei der Geburt meines Sohnes, dass bei jeder werdenden Mama irgendwann der Punkt kommt, an dem sie sagt: „Nein, das kann ich nicht, ich schaffe das nicht, das ist zu viel für mich. Das Baby bleibt drin.“ Hattest du einen solchen Moment beim Schreiben deiner Romane auch? Oder gab es andere „Geburtsschmerzen“?

Sabrina Milazzo: Ich habe zwar noch kein Kind auf die Welt gebracht, aber ich stelle mir eine Geburt tatsächlich so ähnlich vor. Bei mir passiert das allerdings immer bevor ich überhaupt erst anfange zu schreiben. Ich plane meine Romane ganz genau durch bevor ich mich ans Schreiben setze. Das heißt, Kapitel für Kapitel, oft auch schon Szene für Szene.

Deshalb fällt mir das Schreiben an sich nicht schwer, aber beim Plotten selbst habe ich mehr als einmal Gedanken wie: „Das schaffst du nicht mehr. Dir wird niemals die zündende Idee kommen, auf die du da wartest. Ja, du hast es bereits geschafft, drei Bücher zu schreiben, aber erinnerst du dich noch daran, wie anstrengend das war? Willst du das echt noch mal durchmachen?“

Ich bin eigentlich konstant mit mir selbst am Kämpfen und leide richtig, wenn ich eine neue Idee ausarbeite. Das klingt immer so übertrieben dramatisch, wenn man das sagt, aber genau so fühlt es sich für mich an. Wie ein Kampf gegen etwas Unsichtbares, gegen meinen Kopf und negative Gedanken, der nur ganz schwer zu gewinnen ist.

Bettina Kyrala Belitz: Kennst du auch die postnatale Depression nach dem Beenden eines Buches? Oder platzt du vor Stolz und willst das Baby sofort der ganzen Welt zeigen? Wie erging es dir, als dein neuestes Buch (druck)fertig war? 

Sabrina Milazzo: Ich bin tatsächlich immer erst mal megastolz auf mich und würde das Buch gerne jedem in die Hand drücken. Bei meiner letzten Veröffentlichung war es allerdings dann so, dass sich mein Selbstbewusstsein mit jeder Überarbeitungsrunde mehr und mehr verabschiedet hat.

Das passiert bei mir gerne mal, wenn die Überarbeitung zu lange dauert und im Manuskript irgendwie, trotz all der Planung, doch noch der Wurm drin ist. Erst als ich es dann fertig gedruckt in den Händen gehalten und noch einmal durchgelesen habe, war wieder alles gut. 

Bettina Kyrala Belitz: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich beim Bücherschreiben innerlich reife. Die Bücher sind wie eine Zäsur in meinem Leben; danach beginnt etwas Neues. Was hat dein Roman „Aus Asche und Nacht“ mit dir angestellt? Hast du dabei neue Erkenntnisse über dich selbst gewinnen können und wenn ja, magst du eine oder zwei mit uns teilen?

Sabrina Milazzo: „Aus Asche & Nacht“ ist zwar meine zweite Veröffentlichung, aber eigentlich der erste Roman, den ich jemals geschrieben habe. Deshalb habe ich aus dem Schreibprozess vorrangig eines mitgenommen: nämlich das Wissen, dass ich Bücher schreiben kann und es kein unerreichbarer Traum in meinem Leben bleiben muss.

Ansonsten habe ich das Gefühl, dass ich damit vor allem meine Jugendzeit so richtig abgeschlossen habe. Noelle, die Protagonistin von „Aus Asche & Nacht“, begleitet mich nämlich schon seit … puh … bestimmt jetzt über 17 Jahre. Damals habe ich unglaublich gerne YA Fantasy gelesen, natürlich immer mit jungen Protagonisten die in irgendeine fremde Welt eintauchen und sich dabei – im besten Fall – auch noch Hals über Kopf verlieben. Wenn ich dann an meinen Traum, vom Bücherschreiben gedacht habe, war für mich klar: „Solche Geschichten willst du schreiben. Nur solche!“

Heute weiß ich: Das bin nicht mehr ich. Ich möchte von nun an etwas ältere Charaktere begleiten, tief in ihre dunklen Seiten eintauchen und durch Probleme begleiten, die über die Schulzeit und die erste Liebe hinausgehen. Aber um das festzustellen, musste ich eben erst „Aus Asche & Nacht“ oder auch meinen Debütroman „Schattenmale“ fertigstellen. Rückblickend fühlt es sich auch so an, als hätte ich eine lange Reise hinter mir und weiß jetzt viel mehr, was ich eigentlich will und mit meinen Romanen in Zukunft rüberbringen möchte.

Bettina Kyrala Belitz: Stell dir vor, eine lieb gewonnene Freundin von dir steckt in einer massiven Schreibkrise fest und weiß nicht mehr weiter. Wie würdest du sie unterstützen? Was würdest du ihr raten? 

Sabrina Milazzo: Jeder, der mich ein bisschen besser kennt, weiß, was jetzt gleich kommt. 🙂 Ich glaube, meine erste Frage wäre: „Ist das Buch bereits durchgeplant, oder hast du einfach drauf los geschrieben?“ Ich schmeiße jetzt mal willkürlich mit Zahlen um mich, aber ich bin mir fast sicher, dass die Antwort zu 99 % lautet: „Ich habe drauf los geschrieben.“

Deshalb wäre mein erster Tipp: „Plan doch erst mal, was du da schreibst.“ Ich finde, um ein Buch zu schreiben, ist es wirklich von Vorteil sich vorher Gedanken zu machen, zu organisieren, zu planen. Damit sparst du dir später etliche Überarbeitungsdurchgänge und kannst gar nicht in einer Schreibkrise feststecken, weil du nach dem Planen ja ganz genau weißt, was zu tun ist.

Falls es aber an den Worten an sich hapert, die richtigen einfach nicht rauskommen wollen oder man das Gefühl hat, alles was man zu Papier bringt, ist absoluter Mist, AUCH WENN die Geschichte perfekt durchdacht wurde, dann wäre mein Tipp: Einfach weitermachen. 

Klar, zwinge dich zu nichts, nimm dir ne Auszeit, wenn du eine brauchst, aber wenn du nichts mehr willst, als weiterzuschreiben und einfach nicht die richtigen Worte findest, dann schreib schlecht, aber schreib. 🙂 Wenn du sofort nach den richtigen Worten suchst, dann suchst du vielleicht morgen noch oder in einer Woche. Hast du aber einen „schlechten“ ersten Entwurf, dann kannst du ihn später verbessern. Mit einem leeren Dokument geht das nicht.

Bettina Kyrala Belitz: Kennst du das Phänomen, dass man sich während des Schreibens eines Romans den Protagonisten oder einem Protagonisten näher fühlt als den realen Menschen in seinem Leben? Falls ja, wie gehst du damit um? 

Sabrina Milazzo: Hm … wie gehe ich damit um? Gute Frage. Ich bin allgemein jemand, der oft und gerne mit sich selbst ist. Ich mag keine lauten Partys, Straßen voller Menschen, zu viele oberflächliche Gespräche … das entzieht mir alles unendlich viel Energie, die ich viel lieber in andere Dinge stecke.

Das heißt auch, dass ich mich viel, viel lieber bei meinen Charakteren im Kopf aufhalte, als mit den meisten Personen außerhalb meiner eigenen vier Wände. Natürlich ist es auch keine gute Idee, sich vollkommen abzuschotten, aber, wenn ich mal wieder viel mit realen Menschen zu tun hatte, dann sind für mich meine Protagonisten eher wie ein „rettender Anker“ anstatt etwas, dem ich nach dem Schreiben mit realen Menschen „entgegenwirken“ muss.

Meine Protagonisten können dann auch ruhig laut sein und Partys mögen, aber ich verstehe sie eben in- und auswendig, weiß warum sie ticken, wie sie ticken und das ist ja bei echten Menschen leider nicht so ohne Weiteres möglich, wenn man sich nicht voll und ganz auf sie einlässt und sie sich auf dich. 

Bettina Kyrala Belitz: Hat dein neuester Roman „Aus Asche und Nacht“ eine bestimmte Botschaft – und wie könnte sie die Welt verändern?

Sabrina Milazzo: Bei „Aus Asche & Nacht“ ist die Botschaft nicht so klar, wie bei anderen Romanen, die ich bisher geschrieben habe. Eine Sache, die Noelle im Laufe der Geschichte jedoch lernen muss und vielleicht auch der Leser daraus mitnimmt, ist: Lauf nicht weg, stell dich deinen Ängsten oder, um es mit den Worten des Antagonisten zu sagen: „Weglaufen ist zwecklos“. 

In Sachen „Welt verändern“ denke ich da gleich in Richtung Umwelt- und Tierschutz, wobei diese Botschaft ja auch auf ganz, ganz viele andere Dinge passt. Gerade diese beiden genannten Themen sind mir in meinem Leben aber extrem wichtig und was mir bei diesen ewig langen Diskussionen um den Klimaschutz zum Beispiel immer wieder auffällt: Die Leute schauen nur ungern auf sich selbst. Immer wird auf andere gezeigt und viele setzen sich gar nicht mit sich und den Möglichkeiten, wie sie persönlich die Welt verändern können, auseinander. Man selbst ist nie der böse und nur ein „kleines Lichtchen“, das sowieso nichts ausrichten kann. Ja, wir sind alleine vielleicht nicht so stark wie in der Gruppe. Ja, es kann sein, dass es unbequem wird, wenn wir anfangen, nicht mehr wegzulaufen, sondern uns den Dingen stellen, die wir selbst anpacken und in unserem Leben verändern können. Aber wegzulaufen bzw. die Augen vor diesen Dingen zu verschließen und in Ignoranz weiterzuleben ist tatsächlich zwecklos. Irgendwann holt uns (oder unsere Kinder) das alles ein und dann müssen wir uns dem stellen, ob wir wollen oder nicht.

Bettina Kyrala Belitz: Ein Reisender aus einer anderen Galaxie besucht dich. Auf seinem Planeten gibt es weder männlich noch weiblich, geschweige denn Körper zum Anfassen. Der Reisende möchte aber unbedingt von dir wissen, was für dich das Schönste daran ist, eine Frau zu sein, und wie sich dieses „Schönste“ für dich anfühlt. Was würdest du ihm antworten? 

Diese Frage zu beantworten ist für mich eigentlich unmöglich. Ich habe mich mein Leben lang nie wie eine Frau gefühlt. Ich fühle mich immer nur als Mensch und kann nicht nachvollziehen, wie man überhaupt darauf kommt sich tatsächlich zu 100 % in einem von beidem wiederzufinden. Ich bin einfach ich, deshalb würde ich den Reisenden wohl an jemand anderen verweisen, der ihm da eine zufriedenstellendere Antwort geben kann. 🙂

Bettina Kyrala Belitz: Gibt es etwas, was du auf diesem Wege der Welt mitteilen möchtest? Es muss nicht zwingend etwas mit deinen Büchern zu tun haben! 

Sabrina Milazzo: Ich fände es schön, wenn wir noch mehr aufeinander achtgeben, uns viel, viel mehr Gedanken darüber machen, wie wir mit anderen sprechen und wie das, was da aus unserem Mund kommt, von unserem Gegenüber aufgefasst werden könnte. Ich wünschte, wir könnten uns mehr von all dem Oberflächlichen und Materiellen lösen und uns klar werden, dass es viel wichtigere Dinge im Leben gibt, als die perfekten Augenbrauen, immer das neueste Handy und möglichst viele Follower auf Social Media Plattformen.

Bettina Kyrala Belitz: Wo können wir dich und deine Bücher im Internet finden? Und was genau bietest du im kreativen Bereich an? 

Mich findet man hauptsächlich auf Instagram unter @milazzosabrina und natürlich auf meiner Autorenseite www.sabrinamilazzo.net

Meine Bücher können in allen Buchhandlungen und Onlineshops bestellt werden. 

Außerdem mache ich Buchcover und den Buchsatz für andere Autoren. Wer sich meine Arbeiten in dem Bereich gerne einmal ansehen möchte, der kann das unter design.sabrinamilazzo.net machen.

Link zu Instagram:

https://www.instagram.com/milazzosabrina/

Hier kannst du „Aus Asche & Nacht“ bei Amazon bestellen:

Aus Asche & Nacht: 
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… und hier direkt bei BoD:

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