„Ich möchte das schreiben, was mir Spaß macht“ (Katharina Wolf)

In meiner neuen Interviewreihe „SchreibSchwestern“ erzählen Herz & Seelen-Autorinnen von den Geburten ihrer Buchbabys und auch darüber, was sich dabei ihn ihnen getan und gezeigt hat. Ich freue mich, dass meine liebe SchreibSchwester Katharina Wolf, mit der ich schon ein paar Mal persönlich begegnen durfte (ich sag nur Zapfhahn 7! 🙂 ), heute davon berichtet, was das Schreiben für sie bedeutet und warum sie sich dabei nicht nach Trends richtet, sondern auf ihren Bauch hört. Viel Freude beim Lesen!

Bettina Kyrala Belitz: Liebe Katharina, wie schön, dass du dabei bist! Ich vergleiche das Bücherschreiben ja gerne mit Schwangerschaften. Man empfängt eine Idee, geht eine Zeitlang mit ihr schwanger und gebärt sie schließlich. Meine Hebamme verriet mir bei der Geburt meines Sohnes, dass bei jeder werdenden Mama irgendwann der Punkt kommt, an dem sie sagt: „Nein, das kann ich nicht, ich schaffe das nicht, das ist zu viel für mich. Das Baby bleibt drin.“ Hattest du einen solchen Moment beim Schreiben deiner Romane auch? Oder gab es andere „Geburtsschmerzen“?

Katharina Wolf: Was mich in meinem Schreibprozess immer begleitetet, ist der Wechsel zwischen Stolz und Selbstzweifel. Das ändert sich fast täglich oder eben auch von Kapitel zu Kapitel. Es ist tatsächlich die oft beschriebene Achterbahnfahrt der Gefühle. Manchmal klopfe ich mir für mache Dialoge oder für eine dramatische Szene selbst auf die Schulter. Und dann gibt es wieder Momente, in denen ich über die letzten geschriebenen Seiten lese und mich frage, ob das mein Ernst ist, und ob das überhaupt irgendwer lesen mag. 

Bettina Kyrala Belitz: Kennst du auch die postnatale Depression nach dem Beenden eines Buches? Oder platzt du vor Stolz und willst das Baby sofort der ganzen Welt zeigen? Wie erging es dir, als dein neuestes Buch (druck)fertig war? 

Katharina Wolf: Das mit der Depression ist nicht von der Hand zu weisen. Wenn ich mich Monate lang mit meinen Protagonisten beschäftigt habe, teilweise so sehr, dass ich sogar nachts von der Geschichte geträumt habe, dann falle ich eigentlich immer pünktlich zur Veröffentlichung in ein Loch. Einfach weil es vorbei ist und ich mir nicht vorstellen kann, dass mich je wieder eine andere Geschichte so packen kann, wie die letzte. So war es auch nachdem der finale Teil von „Festivalsommer“ erschienen ist. Es fällt mir noch immer schwer, mich auf ein neues Projekt einzulassen.

Bettina Kyrala Belitz: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich beim Bücherschreiben innerlich reife. Die Bücher sind wie eine Zäsur in meinem Leben; danach beginnt etwas Neues. Was haben deine Festivalsommer Romane mit dir angestellt? Hast du dabei neue Erkenntnisse über dich selbst gewinnen können und wenn ja, magst du eine oder zwei mit uns teilen?

Katharina Wolf: Ich habe nach der Festivalsommer-Geschichte, die ich zum ersten Mal nicht alleine geschrieben habe (Grüße an meine Autorenkollegin Ina Taus) und auch zum ersten Mal im Selfpublishing herausgegeben habe, eine wichtige Erkenntnis für mich gewonnen: Ich möchte das schreiben, was mir Spaß macht und was mich fesselt. Nicht das, was sich gut verkauft, gerade in oder für Verlage und Agenturen attraktiv ist. Damit werde ich wohl immer weit weg von Bestsellerlisten bleiben ABER dafür mit Spaß dabei 🙂 

Bettina Kyrala Belitz: Stell dir vor, eine lieb gewonnene Freundin von dir steckt in einer massiven Schreibkrise fest und weiß nicht mehr weiter. Wie würdest du sie unterstützen? Was würdest du ihr raten? 

Ich rate eigentlich immer, einfach weiterzuschreiben. Und wenn das eine Kapitel gerade hakt und man da in einer Sackgasse festsitzt, dann hilft es vielleicht die Kapitel davor noch mal zu überarbeiten, oder schon mal mit dem Kapitel danach anzufangen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man sich manchmal ein bisschen zwingen muss, dann ist die Schreibflaute ganz schnell überwunden.

Bettina Kyrala Belitz: Kennst du das Phänomen, dass man sich während des Schreibens eines Romans den Protagonisten oder einem Protagonisten näher fühlt als den realen Menschen in seinem Leben? Falls ja, wie gehst du damit um? 

Katharina Wolf: Natürlich! Man beschäftigt sich ja sehr intensiv mit ihnen, denkt sich in sie hinein. Ich würde sogar behaupten, dass ich für eine gewisse Zeit diese Person bin. Mit allen Emotionen. Deshalb fällt es einem ja auch so schwer, sich danach von dieser Person zu trennen.

Bettina Kyrala Belitz: Haben deine Festivalsommer-Romane eine bestimmte Botschaft – und wie könnte sie die Welt verändern?

Katharina Wolf: Ganz klar: Offenheit und Toleranz! Wir behandeln in Festivalsommer zwei wichtige Themen. Zum einen den Umgang mit psychischen Problemen aber auch die Themen Homosexualität und Outing. Themen, die viele Menschen mit sich herumtragen und sich schämen oder unwohl fühlen. Oft fehlt der Mut, offen mit Angehörigen oder Freunden darüber zu sprechen. Psychische Erkrankungen sind noch viel zu oft ein Tabu-Thema und Homosexualität wird leider immer noch in vielen Kreisen als nicht richtig angesehen. Mit Festivalsommer wollen wir diese Probleme aufzeigen.

Bettina Kyrala Belitz: Gibt es etwas, was du auf diesem Wege der Welt mitteilen möchtest? Es muss nicht zwingend etwas mit deinen Büchern zu tun haben! 

Katharina Wolf: Es hat tatsächlich (entfernt) etwas mit meinen Büchern zu tun. Ich wünsche mir eine Welt, in der wir alle friedlich miteinander leben können. Unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung oder Identität, Religion, Hautfarbe. Ich lebe in einer bunten und diversen Stadt. Ich liebe diese Vielfalt und genau diese Diversität versuche ich auch in meinen Büchern zu zeigen. Einfach weil es meine Realität ist. 

Bettina Kyrala Belitz: Wo können wir dich und deine Bücher im Internet finden?

Katharina Wolf: Eigentlich überall, wo es Bücher gibt. Ihr könnt sie in jedem Online-Buchshop finden, aber auch in der Buchhandlung um die Ecke bestellen. 


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