Mimimi war gestern – Warum wir Autoren dringend mutiger werden müssen

Heute geht mein August-Bücher-Bewerbungsstreik zu Ende (ich habe auf Facebook darüber berichtet). Anfangs fiel es mir schwer, diese ungewohnte Energie zu halten und nicht wie üblich die Werbetrommel zu rühren – vor allem um meinen Pferde-Titel „Gegen den Sturm“ bei Thienemann tat es mir leid, aber Streik ist eben Streik und was der eine Verlag tut, hat immer Einfluss auf die anderen Verlage; genau deshalb spreche ich ja gebetsmühlenartig von Verbindung statt Trennung. Wir sitzen in einem Boot! (Mein Buchbranchen-Mantra)

Doch jetzt bin ich froh, es durchgezogen zu haben. Diese Erfahrung hat mir viel Klarheit und Selbstbewusstsein geschenkt. Auch künftig werde ich meine Bücher noch noch dann über Social Media, Communitiys & Co. bewerben, wenn die jeweiligen Verlage zu 50 Prozent mitziehen und, wie vertraglich zugesichert, die anfallenden Kosten übernehmen (schließlich bekommen sie Prozente dafür). Ansonsten werde ich „nur“ meine persönlichen Geschichten zum Buch erzählen, geliebte Textpassagen & passende Links posten oder die ein und andere Rezension verlinken.

Das werde ich auch bei allen zukünftigen Verlagsgesprächen von Vorneherein klarmachen. Bisher signalisierte ich immer, dass ich recht aktiv auf Facebook & Co. sei und immer bereit, mich dort an PR-Aktionen zu beteiligen und dabei nahbar zu sein. In den vergangenen drei Jahren (bei Splitterherz durfte ich noch erleben, wie fantastisch eine Zusammenarbeit mit einem Verlag sein kann) fand ich mich dann meist alleine auf weiter Flur wieder und konnte zusehen, wie ich meine Titel an die Frau bringe; Marketing-Klausel im Vertrag hin oder her. Das soll in Zukunft nicht mehr passieren. Entweder zusammen oder gar nicht.

Hier noch ein Tipp an die Jungautoren: Einige Verlage sind gerade dabei, ihre Marketingklausel im den Verträgen zu ändern, um nicht verklagt werden zu können. Es heißt dann nicht mehr „Entsprechendes Marketing übernimmt der Verlag“ (so oder ähnlich), sondern „Der Verlag behält sich vor, inwiefern er Marketingmaßnahmen ergreift …“ (so oder ähnlich). Bitte letztere Klausel NICHT akzeptieren! Sie bedeutet im Klartext, dass der Verlag, obwohl er die üblichen Prozente bekommt, keine einzige Marketingmaßnahme übernehmen muss und kurz vor dem Erscheinen trotz anderer mündlicher Absprachen entscheiden kann, den Titel nicht zu bewerben (gute Platzierungen im Buchhandel gehören dazu!; die kosten nämlich in der Regel Geld).

Auch die erste Klausel ist kritisch zu betrachten, denn sie beinhaltet einen großen Interpretationsspielraum. Versucht auf jeden Fall, diese Klausel zu konkretisieren. Ja, wahrscheinlich beißt man da erst einmal auf Granit, aber je mehr Autoren sich mit dem Wischi-Waschi nicht abfinden, desto eher können wir etwas bewegen (bei uns heißt es ja auch nicht: „Der Autor gibt sein Manuskript so zwischen Oktober und März ab, vielleicht aber auch gar nicht oder nur 50 Seiten davon. Den Rest muss dann der Verlag schreiben.“)

Alternativ könnte man, falls der Verlag auf diese Klausel besteht, auf mehr prozentualen Anteil am Verkauf als üblich (7-9 %) bestehen. Denn es kann ja nicht sein, dass die Verlage ihre üblichen Prozente am Buch bekommen, aber in punkto Marketing nichts für den Verkauf tun. Für mich wäre das allerdings keine gute Alternative, denn ich möchte ja, dass mein Buch gelesen wird – und ich bin überzeugt davon, dass es da draußen noch genügend Verlage mit Ehrgefühl und Engagement gibt, die bereit sind, ihren Anteil zu liefern oder zumindest akzeptable Kompromisse zu finden.

Hier sind wir Autoren gefragt, und zwar darin, nicht zu allem Ja und Amen zu sagen, weil da jemand ist, der unser Buch drucken will. DAS ist heute wirklich nicht mehr der Sechser im Lotto. Der Sechser im Lotto ist es, wenn ein Verlag für das Buch brennt und alles dafür tut, damit es gelesen und ein Erfolg wird. Solange wir bereit sind, jeden Mist hinzunehmen, damit unser Name auf einem Buch steht (hier vielleicht mal in den Dialog mit dem Ego gehen … 😉 ), wird es auch ein Sechser im Lotto bleiben.
Also: nicht verzweifeln und vor allem nicht (an sich) zweifeln. Mimimi war gestern. 🙂                                      (Foto: Annette Schwindt)

1 Gedanke zu “Mimimi war gestern – Warum wir Autoren dringend mutiger werden müssen”

  1. Aber da stellt sich mir eine Frage: Was hat denn der Verlag davon, ein Buch NICHT zu bewerben? Schließlich investiert er ja Geld in Garantiehonorare des Autors, in Herstellung, Lektorat, Covergestaltung etc. Das sind doch Kosten, auf denen ein Verlag sitzenbleibt, wenn ein Buch sich (aufgrund mangelnder Bewerbung) nicht verkauft. Ergo ist es doch vor allem in seinem eigenen Interesse, Werbung zu machen, sonst hätte er das Buch doch gar nicht erst ankaufen müssen, oder?

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