Linna singt – Eine ungewöhnliche Geschichte über Liebe, Freundschaft und die Magie der Musik

Cover von Linna singt

Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben.

Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie dazu an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat. Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.

Leserstimmen:

Linna singt ist ein intensives, ein packendes Buch, dass mich in seine Seiten zog und dort mit jedem Wort gefangen hielt. Bettina Belitz schreibt sich mit ihrer Schreibweise einmal mehr in mein Herz. (Rezension Amazon)

Bettina Belitz‘ Werk ist eine brillante Geschichte über Freundschaft, in deren Zentrum die Protagonistin Linna steht und singt, die verwoben mit der Musik, mehr als nur sich selbst überwinden muss, um zu einer wichtigen Erkenntnis zu gelangen. Spannend, düster, unvorhergesehen und weltklasse hat sich Bettina Belitz einmal mehr in mein Herz geschrieben! (Rezension Amazon)

Ein absolut mitreißendes Werk, das zu Unrecht als Jugendroman eingeordnet wird (die Protagonisten sind längst aus der Schule und Mitte 20) und Romantik, Psychospiele und menschliche Abgründe zu einem spannenden Gesamtwerk vereint! (Rezension Amazon)

Leseprobe:

Fünf Jahre lang haben wir uns nicht gesehen. Maggie, Jules, Simon, Falk und ich. Fünf Jahre. Obwohl ich anfangs noch in Speyer blieb, vielleicht sogar als einzige, ich weiß es nicht. Ich ging abends nicht mehr raus, und wenn, dann in andere Kneipen als jene, in denen 

wir uns immer getroffen hatten. In den ersten ein, zwei Jahren nach der Trennung schickte Jules mir ab und zu noch eine SMS, eine seiner typischen Kurznachrichten ohne Inhalt. „Bin grad beim Burger King, Hamburger essen, Gruß, J.“ Mehr konnte man von jemand wie Jules nicht erwarten. Jules war zu sehr Hollywood, um ausführliche Nachrichten zu schreiben. Das hätte sein Image zerstört. Immerhin schickte er mir Kurznachrichten.

Ich verwette meinen Hintern drauf, dass Maggie keine bekommen hat. Aber irgendwann verstummte auch Jules und ich wechselte sowieso meine Handynummer, mal wieder. Ich hatte damit gerechnet, dass Jules und ich uns aus den Augen verlieren würden. Ich hatte lediglich die Hoffnung gehabt, dass Simon sich gegen seine Schwester durchsetzte und mir schrieb oder mich anrief, obwohl ich die Band aufgelöst hatte. Doch das tat er nicht. Er hielt zu Maggie. Ich bin mir sicher, dass er nicht sauer auf mich war, Simon mochte mich von Beginn an. Aber im Zweifelsfall halten die beiden zusammen. Sie sind Zwillinge!  Da geht das wohl nicht anders. Maggie wird mir das mit der Band niemals aufrichtig verzeihen. Auch nicht, wenn ich jetzt zu ihr und den anderen ins Haus gehe und mich endlich zeige. 

Ich lasse das Plakat zurück in das Dunkel des Kofferraums gleiten, ziehe meinen Rucksack heraus und gebe der Haube einen sanften Stups. Mit einem leisen, dumpfen Klacken schließt sie sich. Die Katze sitzt einige Meter weiter auf einem Mäuerchen und beobachtet mich mit stoischer Ruhe. Als ich ihren Blick erwidere, erhebt sie sich, macht einen Buckel, streckt sich und tapst federnd auf mich zu, um in einem eleganten Satz zu Boden zu springen und schnurrend um meine Beine zu streichen. Ich versteh nicht, warum diese blöden Viecher sich immer an mich heran schleimen müssen, obwohl ich keine Tiere mag. Weder Katzen noch Hunde. Das müssten sie eigentlich spüren. Die einzig akzeptablen Wesen, die die Evolution hervorgebracht hat, sind für mich Pferde, aber das liegt in meinen Genen, dafür kann ich nichts. Ich trete einen Schritt zurück, was die Katze nicht im geringsten stört.  Sie bleibt stur an meinen Hosenbeinen kleben. 

Wenn ich ihr entkommen will, muss ich ins Haus gehen. Ich muss es sowieso. Ich kann nicht wegfahren, ohne zu wissen, wer die Gitarre übernehmen wird. Wir hatten vier verschiedene Gitarristen im Laufe der Jahre. Einer davon, unser letzter, war Falk. Für fünf grandiose Auftritte, bei denen wir uns vergaßen und das Publikum sich auch. Wir liefen zur absoluten Hochform auf, unglaublich für uns selbst. Wir waren fassungslos, saßen anschließend schweigend beieinander, ohne zu wissen, was genau in den Stunden zuvor geschehen war. Warum es geschehen war. 

Dabei spielte Falk gar nicht außergewöhnlich gut, ganz zu schweigen von seinen ständigen Kapriolen und seiner stinkenden Faulheit, wenn es ums Proben ging. Obwohl er einen sehr speziellen Sound hatte, fast wie Mike. Er ähnelte ihm. In seiner Zurückgezogenheit, in seinem Blick, aber auch in seinem Spiel. Doch es war etwas anderes, was die Leute zum Rasen brachte. Ich kann es bis heute nicht benennen.

Ich weiß nur, dass es etwas mit mir und mit Falk zu tun hatte. Vielleicht auch mit Jules. Und Maggie will es wiederbekommen. Die Band war ihr Baby. Ich hab Maggie ihr Baby genommen. Sie wird das niemals akzeptieren.

Ich muss jetzt da reingehen.

Sie warten auf mich. Mit mir soll die Band neu auferstehen, das ist Maggies Plan, für einen einzigen Revival-Auftritt auf der Domwiese, wie früher. Wir sind schon gebucht. Wir kriegen sogar eine vernünftige Gage. Maggie hat mir Noten und eine Songliste geschickt. Sie will, dass wir in den kommenden Tagen alles proben, hier, in Jules Haus, wo ich in einer Nacht sehr glücklich gewesen bin. 

Doch keiner von ihnen weiß, dass ich seit fünf Jahren keinen einzigen Ton mehr gesungen habe. 


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