Liebesszenen schreiben: So berührst du die Herzen deiner Leser

Liebesszenen schreiben: Diese Aufgabe gehört zu den größten und schönsten Herausforderungen des Autorendaseins – und ein gelungenes Ergebnis kann deine Leser tief im Herzen berühren.

Das gelingt jedoch nur, wenn du beim Liebesszenen schreiben die üblichen Klischee-Kippen umschiffst und deine ganz eigene, unverwechselbare Sprache der Liebe entwickelst.

Erfahre in diesem Artikel, wie du es vermeidest, dass deine Liebesszenen kitschig werden, und wie du die Leser tief im Herzen berühren kannst. 

Schon als Jugendliche konnte ich es beim Schreiben meiner „Schubladen-Romane“ (denn dort war ihr Zuhause) kaum erwarten, bis die Protagonisten sich endlich näher kamen und ich eine Liebesszene schreiben durfte. Während dieser Passagen war ich für nichts erreichbar und niemanden mehr ansprechbar. Ich versank vollkommen in meinen eigenen Zeilen und gleichzeitig war meine Wahrnehmung und Aufmerksamkeit hellwach. 

Ich wusste genau: Ich muss spüren, was die Protagonisten spüren, sonst kann ich es nicht schreiben. Dabei blieb ich kompromisslos ehrlich und verließ mich auf meine eigenen (damals noch kargen) Erfahrungen. 

Spüre deine eigenen Szenen mit Haut und Haar – bis ins kleinste Detail

Erst, als ich Jahrzehnte später meine ersten Verlagsromane schrieb und mit der Splitterherz-Trilogie ungeahnte Erfolge feierte, wurde mir bewusst, dass ich schon damals intuitiv genau das getan hatte, was unverzichtbar für das Schreiben von Liebesszenen ist. 

Du musst sie spüren, mit Haut und Haar und in jedem kleinsten Detail. Das mag banal klingen und vielleicht magst du jetzt ausrufen: „Ja, ist doch klar, genau deshalb schreibe ich ja so gerne über Liebe!“ 

Doch beim genaueren Hinschauen ist dieses bewusste Spüren gar nicht so selbstverständlich, wie man meinen mag. Denn wir erschaffen die Liebesszenen in unserem Kopf, über unsere Imagination, Gedankenkraft und Fantasie. 

Liebesszenen sind aber immer (!) körperlich. Auch, wenn die Protagonisten sich in der jeweiligen Szene gar nicht berühren, sondern möglicherweise stumm anhimmeln, ohne sich in die Augen zu schauen oder miteinander zu sprechen. Der Leser muss fühlen können: Hier geht es um Liebe! 

Das wiederum kann er nur, wenn wir beim Schreiben akribisch körperlich werden und auch die feinsten Empfindungen wahrnehmen. Denn jeder Gedanke löst eine Emotion und damit eine körperliche Empfindung aus. Das ist das, was wir oft vergessen, obwohl es uns tagtäglich passiert, in jeder Sekunde unseres Seins. Wir steuern unsere eigenen Emotionen durch unsere Gedanken. 

Wenn wir zweifeln, negative Gedanken wälzen, uns Sorgen machen oder über unseren Verstand Ängste nähren, kreieren wir uns damit unentwegt negative Emotionen, die sich körperlich äußeren – zum Beispiel in einem verspannten Nacken, einem beengten Gefühl in der Brust, einem Kloß im Hals, Druck auf dem Solar Plexus, Flugzeuge im Bauch. 

Diese Reaktionen kommen sekundenschnell – auch bei positiven Gedanken, Aufregung und Verliebtheit; selbst wenn sie in einer Schwärmerei aus der Ferne heraus besteht. Und nur, wenn wir uns dieser gedanklich-körperlichen Reaktionsmuster gewahr werden, können wir sie den Lesern auch über unsere Sprache vermitteln. 

Wir müssen dafür in erster Linie uns selbst kennen und unsere Empfindungen und Gedankenwelten ganz genau wahrnehmen können. 

Liebesszenen schreiben, die das Herz berühren
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Auf keinen Fall aber sollten wir uns beim Schreiben von Liebesszenen in Allgemeinplätzen verlieren, denn diese bleiben im Kopf hängen und erreichen das Herz nicht. Man weiß als Leser zwar irgendwie, was gemeint ist, aber die Passage dümpelt an der Oberfläche; die Seele ist unberührt. 

Verliere dich nicht in Allgemeinplätzen – sie sagen nichts aus

Um mit einem Beispiel zu arbeiten, das mir beim ganzheitlichen Lektorieren erotischer Liebesszenen schon einige Male begegnet ist: 

„Ich wurde von einer Woge der Lust überrollt.“

Okay, schön. Eine Woge der Lust. Aber wie genau fühlt sich das an? Das ist ja von Mensch zu Mensch verschieden. Und es gibt so viele Arten von Wellen und von Lust. Zudem gibt es Menschen, die es mögen, wenn sie von einer Woge überrollt werden. Andere kriegen Panik oder versuchen, die Kontrolle zu behalten – auch das sorgt für entsprechende Emotionen und körperliche Sensationen. 

Im Grunde sagt dieser Satz nichts aus – außer, dass jemand plötzlich große Lust empfindet. Das WIE bleibt hingegen vollkommen im Nebel. Doch das WIE ist es, was dich von anderen Autoren unterscheidet! Über Liebe schreiben unzählige Autoren – aber keiner erlebt sie wie du. 

Wenn du beispielsweise über einen ersten Kuss schreibst, dann reflektiere (d)einen eigenen ersten Kuss und nimm eine imaginäre Lupe zur Hand, mit der du ins Detail schauen kannst. 

  • Wie genau fühlten sich die Lippen des anderen auf deinen an (und es gibt so viele unterschiedliche Formen von Mündern, Lippen, Berührungsintensitäten)? 
  • Welche Gedanken schossen dir in diesen Momenten durch den Kopf? 
  • Wie veränderte sich dein Atem? 
  • Was hattest du mit deinen Händen gemacht?
  • Welche Gerüche hast du wahrgenommen?
  • Gab es irgendwelche Störfaktoren im Hintergrund (Geräusche, Gerüche etc. – Kussszenen im wahren Leben sind selten perfekt)?
  • Haben eure Lippen sofort perfekt harmoniert oder mussten sie ein bisschen ausprobieren? 
  • Hattest du die Augen geschlossen und wenn ja, warum?
  • Wie reagierte dein Herzschlag?
  • Hast du dir Sorgen gemacht, ob dein Atem schlecht riecht, und daher die Luft angehalten?
  • Ist dir der Schweiß unter den Armen ausgebrochen?
  • Hattest du Gänsehaut – und wenn ja, wo?? 
  • Hattest du gerade einen bestimmten Song im Kopf?

Jetzt hast du die Basis für deine Buchszene – und kannst aus dem Vollen schöpfen. 

Trau dich, echt zu sein und lasse deine Helden auch mal stolpern und scheitern

Berührende Liebesszenen sind echt – und dieses Echte ist es, was seinen Weg in die Herzen der Leser findet. Sie beschönigen nichts, blenden nichts aus, verkitschen nicht. Die Protagonisten dürfen Mensch bleiben, mit all ihren kuriosen Gedankenketten, Reaktionen, Verhaltensmustern. Das erst lässt sie lebendig werden – und diese Lebendigkeit wird den Leser auf keinen Fall unberührt lassen. 

Wenn du beim Schreiben echt und ehrlich bleibst, kommst du an dir selbst und deinen eigenen Emotionen und Schatten nicht vorbei. Du kannst dich nicht mehr in Stereotype flüchten und von Wogen der Lust, gebrochenen Herzen oder perfekten Küssen erzählen.

Du musst genauer hinschauen, verletzlich werden. Das kann unangenehm sein. Doch deine Helden werden dadurch so greifbar und authentisch, dass die Leser sich in sie verlieben. Denn sie fühlen sich von ihnen verstanden. 

Übung macht den Meister – auch bei der Liebe. Die wenigsten Menschen erleben sofort eine tantrische Verschmelzungsumarmung, bei der die Engel singen, wenn sie sich das erste Mal näher kommen. Körper müssen sich erst finden – und das kann sehr lustig sein, wenn man sich mal von der Idee befreit, man müsste unter Geigenklängen Titanic nachspielen, nur bitte mit Happy End.  

Meine schönste Liebesszene ist für mich nach wie vor Linnas misslungene Verführungsaktion in „Linna singt“. Alles geht schief – doch genau aus diesem Desaster heraus lässt Linna schließlich alle Taktiken fallen und wird endlich echt und fehlbar. Falk und sie können sich wahrhaft begegnen und erfahren eine Form von Nähe, wie sie sie beide zuvor noch nicht erlebt haben. 

Auch du kannst solche Szenen schreiben, wenn du dich von der Idee befreist, wie Liebesszenen zu sein haben, damit sie schön sind. 

Wenn du Schritt für Schritt und anhand passender Beispiele lernen möchtest, wie du berührende Liebesszenen schreibst, könnte mein Intensivkurs „Seelenberührt“ das richtige für dich sein. 


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