Tatort Reitstall: Des Meisters Liebling

Es ist immer wieder eine gewisse Ehre für mich, wenn mir beim Betreten des Stübchens jener Pferdenamen entgegen gerufen wird, der mich directement zu DER Box schlechthin führt. Ja, genau, die Box mit dem unangefochtenen Liebling des Großinquisitors, jenem Hengst, den er Kraft seiner eigenen Hände zum Licht der Welt verholfen hat und der auch nach 19 Jahren nichts von seinem Hengstsein in Taten umsetzt. Und deshalb sagt man über ihn: Der weiß gar nicht, dass er ein Hengst ist. Oder er hat es vergessen.

Nicht nur das macht ihn zu einem äußerst angenehmen Ross. Unarten hat er so gut wie keine. Kaum steht er in der Boxengasse, verfällt er in den Standby-Modus und lässt sich anstandslos putzen und satteln. An guten Tagen möchte er den Galopp etwas ausdehnen, an schlechteren abkürzen, und beim Schenkelweichen verlangt er nach harschen Kommandos. Und nach der Stunde möchte er jedes Mal selbst entscheiden, wann er in sein Wohnzimmer zurück stürmt. Doch ansonsten: ein Hengst zu Knutschen.

Dass er ein Königskind ist, spiegelt auch seine Sattelkammer wider. Oh, was es da nicht alles gibt. Ein Extradöschen mit Leckerli nur für ihn. Einen prall gefüllten Eimer mit Möhren der Spitzenklasse. Grüntransparentes Hufpflegegel nebst einem besonders weichem Pinsel, der vorsorglich in einen Leinenstreifen gehüllt wurde, damit den Spind auch ja keine Flecken beschmutzen. Ein Bürstchen für die exakt gestutzte Mähne. Eine Putzkiste, die jedem Frisörequipment Konkurrenz machen könnte. Malzbier für den verführerischen Schimmer im Kohlfuchs-Fell (ich nehme an, dass es dafür ist – ansonsten ein kräftiges Prosit auf den Durst nach dem Ausritt!). Und eine Packung Baby-Öltücher, deren Verwendung so delikat ist, dass ich sie lieber im sicheren Refugium der Unaussprechlichkeit belassen möchte (was den Großinquisitor auf meine erstaunte Nachfrage hin nicht davon abhalten konnte, sie knapp und gewohnt drastisch zu schildern).

Kurz: Das Hengstchen wird gehätschelt. Deshalb hoffe ich, dass es noch lange, lange über diesen Planeten trabt und mir hin und wieder meine Donnerstagabende versüßt.
Es ist eben das Pferd vom Chef. Und das ist niemals irgendein Pferd.

4 Gedanken zu “Tatort Reitstall: Des Meisters Liebling”

  1. Liebe Tina,
    wie immer in kurzweiliger Manier höchst vortrefflich geschildert (sorry, Deine Schreibweise verführt mich zu solchen Ergüssen ;-)).
    Freue mich auf die nächsten Geschichten vom Tatort *gg*
    LG,
    Uli

  2. Liebe Tina,

    . . . einfach köstlich 🙂 . . . und wenn das Wetter nun gleich besser werden sollte lockt auch mich der Tatort „RS“!

    Bis bald und liebe Grüße
    Karin

  3. Ja, dieses Pferd ist einfach klasse!!

    Ich bin es ja früher auch geritten und es war super!

    😀
    😀

    Viele Liebe Reitstall-Grüße
    Calvin

  4. hallo bettina,
    icb bin Jana,15 Jahre alt und habe von meiner mama splitterherz geschenkt bekommen…und es ist wirklich erstaunlich..das hat mich alles so berührt weil die beschreibung von ellie passt so zu mir..ich bin vor kurzem ebenfalls aus köln in son kaff dorf im harz gezogen und mir gehts genau wie ihr..ausserdem hab ich auch harte kontaktlinsen und all die details…fand ich irgendwie seltsam..es berührt mich alles so krass….naja das buch ist toll!
    ich lass ma liebe grüße da
    ellies doppelgängerin xD(Jana)

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