Alles ist relativ: gefühlte Zeit

Es ist schon seltsam mit der Zeit: Das vergangene Jahr verging wie im Flug, und jetzt sitze ich hier und bin zappelig wegen lächerlicher 13 Tage. 13 Tage, bis meine ersten drei Bücher erscheinen – darunter „Splitterherz“. Und schon die vergangenen Tage zogen sich wie Kaugummi.
Ich weiß es noch genau: Als meine Agentin mir im November 2008 am Telefon sagte, dass sie einen Verlag für „Sturmsommer“ gefunden hat, fragte ich scheu nach, wann es denn dann erscheine. Mir war schon klar, dass das nicht morgen und auch nicht übermorgen sein würde. Das Manuskript war zwar fertig, doch ein Lektorat kostet seine Zeit, ganz zu schweigen von den Korrekturen und der Herstellung. Dennoch war es ein kleiner Schock, „Frühjahr 2010“ zu hören. Oh je, so lange noch …
Aber neben mir lag ein fünf Wochen altes Baby und schielte gierig auf Mamas Busen, und bereits in diesen übermüdeten fünf Wochen hatte mir dieses Wesen unmissverständlich klar gemacht, dass es wenig schlafen, viel trinken und noch viel mehr herumgertragen werden möchte. So war es dann auch, und ich war nicht ganz unglücklich darüber, dass noch eine Menge Zeit ins Land streichen würde, bis ich Sturmsommer in den Händen halten konnte. Genug Zeit für die Überarbeitung und die Schlusskorrekturen. Damals ahnte ich nicht, dass wenige Wochen darauf die Zusammenarbeit mit Loewe klar gemacht und ein weiterer Vertrag abgeschlossen werden würde … auch nicht, dass ich zusätzlich Kinderbücher schreiben durfte. Dass sich neue Projekte anbahnen würden.
So schrieb ich und schrieb und schrieb und schrieb und wups, war das Jahr vorüber. Ich schreibe immer noch, es gibt keinen Stillstand, und trotzdem – ich gebe es zu, ich bin ungeduldig und nervös. Dabei rieselt ja kein Konfetti von der Decke, wenn ich endlich aufwache und weiß, dass wir den 15. Januar haben. Vermutlich wird es ein ganz normaler Tag, an dem nichts Weltbewegendes passiert. Also sollte ich ihn eigentlich nicht zu wichtig nehmen. Schließlich nehme ich nicht mal Silvester wichtig.
Doch, Moment: Eines wird passieren. Ich hab zu Weihnachten von einer guten Freundin ein kleines, verschnürtes Päckchen bekommen, das ich erst am 15. öffnen darf. Also: Selbst wenn nichts sonst geschieht – eine Überraschung wird auf jeden Fall dabei sein.
Und abends vor dem Einschlafen kann ich dann vielleicht wirklich anfangen, daran zu glauben, dass meine Bücher in den Läden stehen.


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