Ein Haus als Symbol für unseren Einfluss auf unser Glück

In meinem neuen Roman „Vor uns die Nacht“ (script5) geht es nicht nur um eine Liebesgeschichte und intensive Begegnung, sondern auch darum, wie wir unser Schicksal und Glück aktiv gestalten können.
Fast jeden Tag fahre ich auf meinen „Touren“ über die Dörfer an einem Haus vorbei, das ein wunderbares Beispiel dafür ist, wieviel Macht wir über unser Leben und unser Glück haben. Dieses Haus liegt äußerst ungünstig – direkt an einer stark befahrenen Straße und am Scheitel einer Kurve. Wer einmal in einem solchen Haus gewohnt hat, weiß, dass einem das Aufröhren der Motoren und das Krachen der Getriebe gerne mal aus dem Schlaf schreckt und man das Gefühl hat, der Bus oder Traktor sei gerade mitten durchs Zimmer gefahren. Die Abgase schwärzen die Hauswände und man kann weder Kinder noch Haustiere bedenkenlos vor die Tür lassen.
Doch dieses Haus an der Kurve ist wunderschön. Die Wände wurden zartblau gestrichen und rund um die Haustür ein echter Paradiesgarten angelegt – auf den wenigen Quadratmetern Erde, die zur Verfügung stehen, reihen sich kunstvoll gestutzte Büsche und Bäumchen, Rabatten, Blumen und Sträuche aneinander, die selbst im Dezember vom Frühling erzählen. Aber ach, erst der Sommer – rote Rosen ranken sich rechts und links neben der Haustür hinauf und blühen bis weit in den Herbst. Kurz: diese Hausfront ist eine Augenweide und erfreut jedes Mal mein Herz, wenn ich vorbei fahre.
Niemals habe ich die Person gesehen, die diese bunte Pracht pflegt, aber die Blumen erzählen davon, dass sie es mit Hingabe und Liebe tut. Ich bin überzeugt, dass diese Liebe, die sie ihrem Haus und ihren Pflanzen widmet, zu ihr zurückfließt, jeden Tag aufs Neue. Denn das ist eines der ewigen Gesetze – was wir ohne Erwartung geben, kommt zu uns zurück. Dieses Haus ist überdies ein Beispiel dafür, dass es in unserer eigenen Macht liegt, wie wir mit einer Situation umgehen. Wir könnten als Hausbesitzer täglich über den Lärm und die ungünstige Lage und den zunehmenden Verkehr auf dem Land schimpfen und resigniert behaupten, da könne man eh nichts machen und es sei nun mal nur ein Eckhaus mitten im Dorf, das man lieber früher als später loswerden wolle. Oder aber man überlegt sich, wie wir genau dieses Haus zu einem Ort der Schönheit und Lebendigkeit und Liebe werden lassen können – sodass wir uns täglich an ihm erfreuen, aber auch andere ihre Augen darauf ausruhen können. Das haben die Menschen, die darin wohnen, getan. Es liegt an uns, an unserem Denken, ob eine Situation oder eine Sache „doof“ ist oder ob wir sie schöpferisch umgestalten, sodass sie Blüten und Früchte trägt und unser Herz erfreut – und damit auch die Herzen der anderen Menschen um uns herum.
Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!
P.S. Ausführlicher Bericht über die Buchmesse folgt in Kürze – es war toll und ich danke allen, die bei meinen Lesungen waren und sich Bücher signieren ließen. Es macht solchen Spaß, euch zu begegnen.


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