Beziehungskrise wegen Corona – und jetzt?

Social Distancing herrscht zur Zeit auch in zahlreichen Beziehungen – ausgerechnet in jenem Lebensbereich, in dem Nähe und inniges Miteinander selbst im schärfsten Lockdown durchweg erlaubt gewesen waren und immer noch sind.

Die Krise, die die Welt miteinander vereint, hat offenbar zugleich die Macht, Liebende schmerzhaft voneinander zu trennen und Freunde zu entzweien.

Was also tun, wenn unterschiedliche Meinungen und Ansichten für Gräben sorgen, die unüberwindbar zu sein scheinen?

In diesem Artikel geht es nicht darum, was „richtig“ oder „falsch“ ist; schon gar nicht versuche ich Wahrheiten oder gar DIE eine Wahrheit zu ergründen. Die können wir über unseren Kopf ohnehin nicht erfassen. Nein, ich möchte dir Impulse mit auf den Weg geben, wie du und dein Partner (oder beste Freundin/bester Freund) trotz Meinungsstreit wieder friedvoll zueinander finden und ihr euch auf jene zeitlose Kraft besinnen könnt, die euch einst zusammengeführt haben und über jede Krise erhaben ist: Liebe.

Meinungen, Ansichten und Prinzipien sind an unser irdisches Dasein gebunden, denn sie entstehen in unserem Ego, unser Zentrum für: „Ich bin, denn ich denke.“ Wir brauchen dieses Ego zum Überleben auf der Erde, und gerade in der Jugendzeit ist es ein immens wichtiger Entwicklungsschritt, sich eigene Meinungen zu bilden; vor allem Meinungen, die sich von den althergebrachten unserer Eltern und Großeltern unterscheiden.

Allerdings verfallen wir im Laufe unseres Lebens oft dem Irrtum, unsere Meinungen und Ansichten würden uns als Menschen ausmachen, uns definieren. Dabei interessiert unsere Seele unsere Meinungen nicht. Sie braucht sie gar nicht. Und wenn sie sich auf dem Weg zurück ins Licht macht, streift sie sich diese Meinungen ab wie ein Kleid, das nun nicht mehr nötig ist und ihr Strahlen manches Mal gedämpft und vernebelt hat.

Wie unwichtig für unser wahres Ich Meinungen sind, habe ich beobachten können, als meine Mutter im Sterben lag. Meine Mutter hatte immer viel Wert auf Ansichten, Prinzipien und Grundsätze gelegt. Sie fand sich gut in der materiellen Welt zurecht und von manchen Lebensbereichen hatte sie sehr fixe Vorstellungen, die oft für Konflikte zwischen ihr und mir gesorgt haben. Meinungsdebatten scheute sie nicht und führte zahlreiche.

Doch in den letzten Tagen ihres irdischen Lebens fielen diese Meinungen und Weltsichten von ihr ab, als hätten sie nie existiert; sie waren einfach nicht mehr wichtig für sie. Dabei kam ein Leuchten zum Vorschein, das so zart, weich und liebevoll war, wie ich sie als kleines Kind in Erinnerung gehabt hatte – pure, reine Mutterliebe und eine wundervolle, fließende Weiblichkeit.

Für sie zählte in diesen Stunden nicht mehr, was jemand studiert hatte, wie er sich anzog, welche Parteien er wählte und welche Bücher er las. Für sie war nur noch eines entscheidend: wie liebevoll die Menschen mit ihr umgingen und dass sie geborgen ihrem Abschied aus ihrem Körper entgegen dämmern konnte.

Es sind nicht Meinungen, die uns miteinander verbinden

Selbst Menschen, die einander finden und sich auch deshalb miteinander verbunden fühlen, weil sie die gleichen Meinungen und Ansichten teilen, werden irgendwann im Laufe ihres Zusammenseins mit einer Situation konfrontiert sein, in der sie überrascht feststellen: „Hoppla, mein Partner denkt da ja ganz ander als ich, er sieht überhaupt nicht, was ich sehe – was ist nur mit ihm los? Habe ich mich etwa in ihm getäuscht?“

Doch es sind in Wirklichkeit nicht die Meinungen, die uns miteinander verbinden, auch wenn sie im Alltag eine immense Rolle zu spielen scheinen. In unserer derzeitigen Lage zeigt sich das in dramatischem Ausmaß, denn wir haben weltweit eine Ausnahmesituation, wie es sie bislang noch nicht gegeben hat.

Egal, was man über Corona und den Umgang damit denken mag: Jeder ist von den damit verbundenen Maßnahmen betroffen. Kein Mensch kann sich diesem Thema vollkommen entziehen. Wir sind gezwungen, uns in irgendeiner Form damit zu befassen, und die dazu gehörigen Ansichten und Meinungen entstehen von ganz allein. Unser Verstand macht das quasi im Selbstläufer-Modus (das ist seine Daseinsberechtigung).

Wir wissen aus eigene Erfahrung: Wenn es um Musik, einen bestimmten Film oder eine gesellschaftliche Strömung geht, verkraftet eine Partnerschaft konträre Meinungen meistens weitgehend unbeschadet.
Man kann diesen Themen elegant ausweichen und den anderen „machen lassen“.

Bei Corona ist dies kaum mehr möglich. Der eine glaubt dies, der andere das, und da uns immer wieder suggeriert wird, dass es um Leben und Tod geht, haben Meinungsverschiedenheiten plötzlich eine Konsequenz, die eine erdrückende Enge und Not erzeugen. Es scheint ums nackte Überleben zu gehen.

Zudem befinden wir uns gerade ohnehin in einer Phase, in der Beziehungen vor einem „Shift“ stehen. Viele alte Modelle haben ausgedient, passen nicht mehr in unsere heutige Lebenswelt, aber das Neue ist noch nicht da, kann allenfalls erahnt werden.

Also: was tun? Wie können die vermeintlichen Gräben überbrückt werden?

Gerade weil die so genannte Corona-Krise so allumfassend ist und beinahe jeden Lebensbereich betrifft, ist es umso wichtiger, dass wir uns innerhalb unserer Partnerschaften und Beziehungen (auch Freundschaften!) Inseln erschaffen, die von der Krise unberührt bleiben (können). Und es hilft, wenn wir uns dabei auf unsere Seelenebene besinnen und uns verinnerlichen, dass es nicht die Meinung des anderen ist, in die wir uns verliebt haben. Sondern seine Herzensqualität, sein Licht, seine Ausstrahlung; das, was an seine Seele und nicht an seinen Verstand gebunden ist.

Wir haben jetzt eine große Chance geschenkt bekommen, weitere Ebenen in unsere Beziehungen aufzunehmen und sie damit auf ein höheres Level zu bringen – eine Verbindung auf Seelenebene, die von den Geschehnissen in der Welt und deren Konsequenzen unberührt bleibt.

Wie sieht das im Konkreten und auf der Handlungsebene aus?

Du kannst zum Beispiel gemeinsam mit deinem Partner einen Ausflug in die Natur machen und ganz bewusst mit ihm vereinbaren, dass ihr währenddessen nicht über das Streitthema Nummer 1 sprecht. Die Natur zeigt sich schon seit Monaten unbeeindruckt und ist damit ein grandioser Lehrmeister. Lasst euch achtsam auf ihren Zauber ein.

Beobachtet zusammen Tiere, erfreut euch an den Blumen und Bäumen, betrachtet gemeinsam Wolken, lauft barfuß, legt euch auf eine Wiese und guckt in den Himmel. Ihr könnt auch ein Picknick machen und ein paar Lieblingsleckereien mitnehmen. Findet jenseits eurer Meinungen zusammen.

Besinne dich auf das, was euch vereint: die Sehnsucht nach Liebe

Tauscht euch aus, aber diskutiert nicht. Kaum etwas schafft mehr Distanz als eine hitzige Diskussion. Austausch, bei dem die Ansichten des anderen nicht gewertet werden und niemand recht haben will, schafft hingehen tiefe Verbindung. Trotzdem sollte das Thema Nummer 1 für diese Zeit tabu bleiben. Sprecht zur Not über eure Kindheit, über schöne Erlebnisse oder schweigt in zärtlicher Nähe miteinander.

Ihr könnt auch gemeinsam einen romantischen Film schauen; am besten auf DVD oder im Streaming-Dienst. Dann bleibt ihr dabei von neuen Schreckensmeldungen verschont. Das Thema Nummer 1 taucht also gar nicht erst auf. Das gleiche gilt für Musik. Sich ein gemütliches Lager auf dem Boden richten, Kerzen aufstellen, chillige, entspannende Musik hören (bitte kein Radio!) – das kann Wunder wirken.

Gönnt euch diese wertvollen Inseln regelmäßig. Mit der Zeit kann es sein, dass du wieder Details an deinem Partner wahrnimmst, die in den Monaten zuvor völlig in den Hintergrund gerückt sind. Das Strahlen in seinen Augen, der Klang seiner Stimme, wenn er entspannt ist oder lacht, die Wärme seiner Berührungen.

Ein weiterer Tipp: Besinne dich darauf, dass euch auf dieser Erde die gleichen Wünsche und Sehnsüchte antreiben. Wir alle wollen leben, wollen lieben und geliebt werden. Dies vereint die gesamte Menschheit miteinander.

Für den einen mag „Leben“ derzeit bedeuten, möglichst alle Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten, seien sie auch noch so klein. Für ihn sichert dies sein Überleben. Für den anderen heißt es, sich möglichst frei zu bewegen. Er hält sich zwar an die Regeln, hält aber nichts VON ihnen. Das ist für ihn Leben.

Doch der große, darüber schwebende Wunsch ist der gleiche.

Um das mit einem eher profanen Beispiel zu illustrieren und noch einmal zurück zu meiner Mutter zu kommen: Wir beide liebten das Eis vom Italiener um die Ecke und manchmal gab mein Vater an schönen Sommerabend eine Runde aus. Meine Schwester und ich nahmen die „Bestellungen“ entgegen und zogen gemeinsam los. Ich konnte nie nachvollziehen, warum meine Mutter ihr Eis in einem Becher haben wollte. Die Waffel war doch so lecker! Und dann noch die Sorten – Malaga (mit Rosinen …) und Pistazie. Wie konnte sie das nur mögen?

Doch wie beide liebten Eis. So, wie alle Menschen leben und überleben wollen und sich nach Liebe sehnen.

Na, Lust auf Eis bekommen? Vielleicht hat dein Partner ja auch Appetit darauf. Dann zieht zusammen los und genießt es in vollen Zügen. 🙂

Corona bedeutet übersetzt übrigens „Die Krone“ – und ja, diese Situation, in der wir uns befinden, kann uns Menschen zu unserer inneren, königlichen Meisterschaft führen. Wir können jeden Tag wählen, welche Verbindung wir als die wahre betrachten wollen – die über Meinungen und Ansichten oder die über unser Herz und über unsere Seele.

Mehr Übungen zur Beziehungsgestaltung in schwierigen Zeiten, die dich und deinen Partner wieder spielerisch und behutsam einander näher bringen können, findest du in meinem Ratgeber „Wenn Lichtkrieger lieben – Beziehungen auf eine neue Ebene bringen.“

Ich wünsche dir viel Freude beim Inselbauen!

Alles Liebe, Kyrala


Weitersagen:

Schreibe einen Kommentar